Wie grün ist grünes Marketing?

Wie grün ist grünes Marketing?

Uns begegnen immer mehr Werbebotschaften, die versprechen: „Kaufe unser Produkt, dafür pflanzen wir einen Baum“. Eine griffige Formel, die uns in Sicherheit wiegt, mit unserem Kauf auch etwas Gutes fürs Klima zu tun. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Bäume sind essenziell für unser Klima. Sie reinigen die Luft, absorbieren Kohlendioxid aus der Atmosphäre und wandeln es in Sauerstoff um, der überlebensnotwendig für Mensch und Tier ist. Sie sichern die Biodiversität und geben zahlreichen Organismen ihren Lebensraum. Doch sind 46% der weltweiten Wälder bereits zerstört! Vor allem der Schutz existierender Wälder, aber auch die Aufforstung von degradierten Flächen sind effektive Maßnahmen, um unser Klima zu schützen. In einer renommierten Studie der ETH Zürich wurde aufgezeigt, dass weltweit 0,9 Milliarden Hektar zur Verfügung stehen, die dank Aufforstung über die Hälfte der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufnehmen könnten. Damit die Theorie jedoch auch in der Praxis funktioniert, braucht es zwei grundlegende Voraussetzungen:

  1. Einsatz standortgerechter, heimischer Mischkulturen

Um CO2 langfristig und effektiv zu absorbieren und das natürliche Ökosystem zu stabilisieren, muss bei der Aufforstung auf eine heimische Mischkultur geachtet werden. Nicht jede Kultur passt in jedes Ökosystem. Dies erfordert Knowhow. Nur der richtige Einsatz von Setzlingen erlaubt das Heranwachsen von Bäumen, die dann langfristig hohe Mengen an CO2 an sich binden, den Boden vor Erosionen schützen und hohe Mengen an Wasser speichern.

Werden hingegen Monokulturen gepflanzt, so schadet das unserem Klima mehr, als dass es ihm hilft. Nach nur wenigen Jahren werden die Böden unfruchtbar und ihre Speicherkapazität für Kohlenstoff zerstört. Die Böden stoßen folglich große Mengen an CO2 aus das sie eigentlich mit den Bäumen absorbieren sollten. Auch bieten Monokulturen keinen ausreichenden Schutz vor starken Regenfällen und starker Sonneneinstrahlung. Die Folge sind Bodenerosionen und Dürre. 

  1. Einbindung lokaler Gemeinschaften und Monitoring

Nur das Überleben der richtigen Setzlinge kann unser Klima schützen. Es nützt nichts Setzlinge zu pflanzen und sich selbst zu überlassen, denn ihr Überleben wäre damit bedroht. Daher muss sichergestellt werden, dass die gepflanzten Setzlinge gepflegt und geschützt werden. Eine effektive Strategie ist ein dauerhaftes Monitoring der Setzlinge. Hierfür können lokale Bauerngemeinschaften eingebunden werden, die nicht nur für das Monitoring fair entlohnt werden, sondern auch die Früchte ernten können. Der Klimaschutz und die nachhaltige wirtschaftliche Förderung der Bauern werden mit dieser Strategie vereint.

Allein die Monitoring-Voraussetzungen für effektive Aufforstungsprojekte zeigen – sie haben ihren Preis. Wir bei The Rainforest Company rechnen mit 6€ pro neu gepflanzten Baum. Dieser Wert umfasst den Preis der Setzlinge aus unterschiedlichen Kulturen, die Kosten der Werkzeuge und den Arbeitseinsatz der Helfer. Um ein solches Projekt aber überhaupt starten zu können muss zunächst eine beträchtliche Summe investiert werden. Es sind erst die Strukturen nötig, die die Anschaffung und Lagerung der Werkzeuge, die Vorbereitung der Flächen, die Ausbildung der Helfer und ihren Einsatz vor Ort ermöglichen.

Wir müssen also sehr genau hinschauen, wenn uns einmal wieder das Pflanzen eines Baums für den Kauf eines Produkts versprochen wird. In welchen Gebieten werden die Setzlinge gepflanzt? Werden sie von lokalen Gemeinschaften geschützt und wird das Projekt auch überwacht? Ist es überhaupt möglich, aus dem Ertrag eines sehr erschwinglichen Produkts die nötige Summe in effektive Aufforstung fließen zu lassen?

Grüne Revolution durch Agroforstwirtschaft

Da das Alter der Bäume deren Speicherleistung von CO2 bestimmt, sollte es unsere oberste Priorität sein nicht nur neue Bäume zu pflanzen, sondern auch bereits stehende Bäume zu erhalten. Langjährige Bäume können viel mehr CO2 aufnehmen als es bei neu aufgeforsteten Bäumen der Fall ist. Wissenschaftler halten diese Strategie des Erhalts von bestehenden Wäldern nicht nur für ökologischer, sondern auch für wesentlich wirtschaftlicher als die Aufforstung. Wie können wir das effektiv und nachhaltig tun? Mit Agroforstwirtschaft!

In einer Agroforstwirtschaft wachsen Bäume und Sträucher an der Seite von Ackerland. Im besten Fall profitieren diese sogar voneinander. Denn anders als bei Monokulturen wird bei der Agroforstwirtschaft mit Mischkulturen ein intaktes Ökosystem und die Artenvielfalt sichergestellt. Die Böden sind von Natur aus reicher an Nährstoffen. Da Mischkulturen weniger anfällig für Schädlinge sind als Monokulturen, werden keine chemischen Pestizide benötigt. Selbst neu aufgesetzte Agroforstsysteme sind im Stande marode Flächen in fruchtbares Ackerland umzuwandeln. Der Erhalt von fruchtbaren Böden und Wäldern verhindert, dass große Mengen an CO2 freigesetzt werden. Agroforstwirtschaft kann somit ein nachhaltiger Weg für die Lebensmittelindustrie sein und ein Gegengewicht für den Klimawandel schaffen. Dieses System schützt nicht nur unser Klima, sondern bietet auch lokalen Bauerngemeinschaften ein regelmäßiges und nachhaltiges Einkommen. Und dies ganz im Einklang mit der Natur.

Was können wir konkret tun?

Wir selbst sind es, die mit unseren Kaufentscheidungen Einfluss darauf haben, wie die Lebensmittelindustrie von morgen aussieht und welche Auswirkungen sie auf unsere Umwelt hat. (1) So können wir den Konsum von Produkten aus Monokulturen reduzieren, wie es häufig bei Palmöl-Produkten der Fall ist. Denn Palmöl stammt oft aus Monokulturen, für die großflächige Regenwälder gerodet werden. Die Gewinnung des Öls geht mit beträchtlichem CO2-Ausstoß einher und ist damit ein Treiber des Klimawandels. (2) Achte darauf, ob Produkte aus Agroforstwirtschaft stammen. Denn solche Produkte, wie zum Beispiel das Acai von The Rainforest Company, bieten nicht nur eine nachhaltigere Form der Landwirtschaft, sondern auch ein Gegengewicht für den Klimawandel und ein nachhaltiges Einkommen für lokale Bauerngemeinschaften. (3) Und last but not least – wir sollten doppelt hinschauen, wenn Firmen einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Denn globale Probleme wie der Klimawandel und der Erhalt der Regenwälder benötigen eine ganze Bandbreite an gut durchdachten und vor allem langfristigen Lösungen.

In diesem Sinne: Choose well & feel good.

Albana Rama,

Gründerin, The Rainforest Company